Unter Multiplem Myelom versteht man eine Krebserkrankung bestimmter Zellen des Knochenmarks, die Plasmazellen genannt werden und normalerweise Eiweißkörper (Antikörper) bilden, die für die Infektionsabwehr wichtig sind. Die entarteten Plasmazellen (Myelomzellen) produzieren derartige Antikörper oder Bruchstücke davon in großen Mengen und im Unterschied zur normalen Situation ausschließlich Antikörper mit völlig identen physiko-chemischen Eigenschaften (Paraproteine). Durch die Interaktion der Myelomzellen mit den umgebenden Zellen des Knochenmarks kommt es zu einer Stimulation von knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) und damit zu einem Ungleichgewicht zwischen Knochenan- und Knochenabbau. Bei fast allen Patienten findet sich eine Osteoporose des Stammskeletts, und bei vielen davon typische Knochendefekte, die im Röntgenbild wie ausgestanzte Herde erscheinen, bei einem Teil kommt es zu Knochenbrüchen meist in den Wirbelkörpern oder Rippen.
In Österreich werden etwa 400 Patienten mit Multiplem Myelom pro Jahr neu diagnostiziert und Schätzungen zufolge leben derzeit etwa 1.900 Menschen in unserem Land mit dieser Erkrankung. Es sind etwas mehr Männer als Frauen betroffen, das mittlere Manifestationsalter liegt bei 72 Jahren.
Neuen Forschungsergebnissen zufolge findet sich bei allen Patienten mit Multiplem Myelom eine unterschiedlich lang dauernde Vorphase eines sogenannten MGUS (Monoklonale Gammopathie Unbestimmter Signifikanz). Darunter versteht man das Vorliegen eines Paraproteins und eine geringgradige Vermehrung monoklonaler Plasmazellen. Knochenläsionen, wie beim typischen Myelom oft nachweisbar, finden sich beim MGUS allerdings nicht. Bei dieser Veränderung handelt es sich um ein prämalignes Krankheitsbild. Das Risiko des Übergangs eines MGUS in ein Multiples Myelom liegt bei 1% pro Jahr.
Eine Vorsorgeuntersuchung bezüglich MGUS empfiehlt sich derzeit nicht, weil es unter anderem auch keine Möglichkeiten gibt, einen möglichen Übergang in ein Multiples Myelom zu verhindern. Gleiches gilt für das Multiple Myelom, bei dem eine Behandlung beschwerdefreier Patienten bzw. von Patienten ohne bestimmte Laborveränderungen keine Vorteile erbringt.
Eine Früherkennung in dem Sinn, dass damit höhere Heilungschancen verknüpft werden, gibt es beim Multiplen Myelom leider nicht. Allerdings wird die Erkrankung bei einem Teil der Patienten schon im Vorstadium des Multiplen Myeloms, nämlich auf der Ebene eines MGUS diagnostiziert.
Zu den häufigsten Symptomen von Patienten mit Multiplem Myelom zählen Knochenschmerzen, insbesondere im Bereich der unteren Wirbelsäule, Müdigkeit, Schwäche, sowie erhöhte Infektionsanfälligkeit.