Hodenkrebs ist ein bösartiger Tumor, der von den samenbildenden Keimzellen (Spermatogonien) im Hoden ausgeht. Selten können diese Tumoren auch aus versprengten Hodenzellen im Bauchraum oder an anderer Stelle auftreten (extragonadale Keimzelltumoren). In aller Regel entsteht der bösartige Tumor aus einer Vorstufe (testikuläre intaepitheliale Neoplasie TIN). Im Wesentlichen werden zwei Formen von Hodenkrebs anhand feingeweblicher Merkmale unter dem Mikroskop unterschieden: das Seminom einerseits und die nicht-seminomatösen Keimzelltumoren andererseits.
Hodenkrebs macht nur 1-2% aller Krebsarten des Mannes aus, ist aber die häufigste Krebsart in der Altersgruppe 15-34 Jahre in den westlichen Industrienationen. Etwa 50 % aller Hodentumoren sind Seminome, der Rest gehört der Gruppe der nicht-seminomatösen Keimzelltumoren an. Patienten mit Seminomen sind im Durchschnitt um zehn Jahre älter (40.-50. Lebensjahr) als Patienten mit nicht-seminomatösen Tumoren. Die Häufigkeit von Hodenkrebs hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt und liegt in Österreich derzeit bei 8/100.000 Männer/Jahr (Statistik Austria 2007).
Durch moderne fachübergreifende interdisziplinäre Behandlung ist die Heilungsrate bei Hodentumoren im lokalisierten Stadium nahe 100%. Es hat sich die Sterblichkeitsrate an Hodenkrebs im metastasierten Stadium auch drastisch verringert, sodass sie in Österreich bei 0.5 /100.000 Männer/Jahr angegeben wird.
Die Ursache der Entstehung von Hodenkrebs ist nicht geklärt. Als Risikofaktoren für die Entstehung von Hodenkrebs gilt der Hodenhochstand (Hoden im Bauchraum verblieben oder Pendelhoden, Maldescensus testis) im Kindesalter, auch wenn dieser erfolgreich operiert wurde, Unfruchtbarkeit und Hodenatrophie (funktionsloser, verkleinerter Hoden), HIV-Infektion, genetische Faktoren, sowie vorangegangene Hodenkrebserkrankung im anderen Hoden (5% aller Patienten nach Hodenkrebs in einem Hoden entwickeln auch einen Tumor im zweiten Hoden)
Nachdem die Ursache für die Entstehung von Hodenkrebs nicht geklärt ist, gibt es derzeit keine Empfehlung zur Vorsorge.
Bei Hodenhochstand sollte eine operative Korrektur durchgeführt werden. Es gibt Hinweise, das Entartungsrisiko bei Hodenhochstand zu senken, wenn diese Korrektur vor Eintreten der Pubertät durchgeführt wird. In jedem Fall ist die klinische Beobachtung des Hodens und somit die Früherkennung möglicher Tumoren verbessert.
Die Früherkennung nimmt trotz der hohen Heilungschance auch in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung einen hohen Stellenwert ein.
Im lokalisierten Stadium ist sowohl das Ausmaß der therapiebedingten Belastung geringer als auch die definitiven Heilungsraten höher. Die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden sollte bei allen jungen Männern propagiert werden. Besonders gilt dies für Patienten mit Risikofaktoren zur Entwicklung von Hodenkrebs. Jede Verhärtung oder Schwellung des Hodens sollte solange als Hodenkrebs betrachtet werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Das Hauptsymptom eines Hodentumors ist die schmerzlose Schwellung oder Verhärtung des Organs. In ca. 30% werden auch Schmerzen im Hoden als Erstsymptom angegeben, die oft fälschlich als Nebenhodenentzündung interpretiert und behandelt werden. In diesen Fällen unbedingt Hodenultraschalluntersuchung durchführen lassen, um die Diagnose abzusichern. In fortgeschritteneren Tumorstadien können Rückenschmerzen im Liegen, Schmerzen in der Brustdrüse oder Vergrößerung der Brustdrüse durch ß-HCG (Schwangerschaftshormon)-produzierende Tumoren, Lymphknotenvergrößerung oberhalb des Schlüsselbeins, sowie Luftnot durch Lungenmetastasen auftreten.