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Palliativmedizin

Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

„Wenn eine Krebserkrankung einmal nicht mehr durch Medikamente oder andere Therapien zurückgedrängt werden kann, ist das noch nicht das Ende aller medizinischen Bemühungen. Es gilt vielmehr für die verbleibende Lebenszeit die Qualität des Lebens so hoch wie möglich zu halten", sagt Univ. Prof. Watzke.

Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Universitätsklinik für Innere Medizin I - Medizinische Universität Wien
Palliativstation

Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

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Palliativmedizin

Was ist Palliativmedizin?

Palliativmedizin (palliare = umhüllen)  ist die multiprofessionelle Betreuung von schwerstkranken Patienten mit einem fortgeschrittenen Leiden, für die eine Heilung nicht mehr möglich ist. Sie erfasst und behandelt jeden Patienten nicht nur in seinem körperlichen Leid, sondern auch hinsichtlich seiner psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse.  Palliativmedizin geht auf die ehemalige Krankenschwester und spätere Ärztin Cicely Saunders zurück, die sich, ausgehend von der intensiven Pflege eines jungen, sterbenden Krebspatienten in England speziell der Betreuung solcher Patienten verschrieben hat. 

Bei welchen Erkrankungen wird die Palliativmedizin gebraucht?

Obwohl prinzipiell alle nicht mehr heilbaren Patienten unterschiedlichster Erkrankungen in das Betreuungsspektrum der Palliativmedizin fallen, sind es doch vorwiegend Krebspatienten, die in solchen Einrichtungen behandelt werden. Dies ergibt sich aus dem besonderen Krankheitsverlauf von unheilbaren Krebserkrankungen. Diese verursachen am Erkrankungsbeginn wenig körperliche Beschwerden, auch wenn sie eine existenzielle Bedrohung darstellen. Häufig verringern sich diese Beschwerden auf Grund wirksamer Krebstherapien. Kehrt die Krebserkrankung zurück und kann sie dann nicht mehr weiter zurückgedrängt werden, treten starke körperliche Beschwerden auf, die von großen psychischen, sozialen und spirituellen Problemen begleitet werden. In dieser Situation stellt die Palliativmedizin ein wirksames Betreuungskonzept dar.

Wo wird Palliativmedizin angeboten?

In Österreich wird Palliativmedizin in stationären und ambulanten Einrichtungen angeboten. In den stationären Einrichtungen wird zwischen Hospizen und Palliativstationen unterschieden. Hospize sind außerhalb von Akutkrankenanstalten, zum Beispiel in Pflegeanstalten, angesiedelt und begleiten Patienten bis zum Tod. Palliativstationen hingegen sind in Akutkrankenanstalten verortet und sollen durch spezielles Wissen diese Krebspatienten soweit verbessern, dass eine Entlassung nach Hause möglich ist. Dabei kann nicht mehr auf ein Zurückdrängen der Krebserkrankung zurückgegriffen werden, da die Möglichkeiten dafür ausgeschöpft sind. Es wird somit darauf geachtet, durch gute Behandlung der körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Beschwerden und Probleme die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Hospize und auch Palliativstationen verstehen sich als Begleiter im Sterben und niemals als Helfer zum Sterben. Nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sollen Patienten sterben können. 

Wann im Krankheitsverlauf ist Palliativmedizin notwendig?

Zu Beginn einer Krebserkrankung sind die körperlichen Beschwerden, die zur Diagnose führen, außerordentlich gering und nehmen Dank der modernen medizinischen Maßnahmen, die gegen die Krebserkrankung eingeleitet werden wie Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie auch nach Therapiebeginn deutlich ab. In dieser Phase sind die Nebenwirkungen der Behandlungen in der Regel schwerwiegender als die ursprünglichen Beschwerden, werden aber in der durchaus realistischen Hoffnung auf eine Heilung oder zumindest auf eine wesentliche Verzögerung des Krankheitsverlaufes in Kauf genommen und ertragen.

Erfüllt sich diese Hoffnung nicht, treten die vom Krebs verursachten Beschwerden und Behinderungen in den Vordergrund und führen über kurze Zeit zu einer oft dramatischen Verschlechterung der Lebensqualität.

Spätestens hier ist das spezielle Wissen der Palliativmedizin für eine gute Behandlung notwendig. Allerdings steht die Palliativmedizin auch für eine besondere ärztliche Haltung, die die Autonomie des Patienten im Krankheitsprozess nicht nur respektiert sondern auch aktiv fördert und als wesentliche Komponente der menschlichen Würde anerkennt. Zudem ist sie von einer empathischen Grundhaltung geprägt. Diese palliativmedizinische, ärztliche Haltung ist bei jeder Erkrankung und auch in jedem Krankheitsstadium notwendig.



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